PROJEKT THEATER / FLEISCHEREI_mobil

Das experimentelle Theaterkollektiv PROJEKT THEATER/FLEISCHEREI_mobil wurde 1991 von Eva Brenner als Projekt Theater Wien-New York gegründet und kann seitdem auf ein umfangreiches Gesamtwerk zurückblicken. 1998 bezog die Gruppe zunächst – öffentlich und privat subventioniert – ein Studio im 7. Wiener Gemeindebezirk. Ganz im avantgardistischen Sinne des offenen, weißen Raumes bevorzugte die Gruppe in dieser Schaffensperiode hauptsächlich die Ästhetik des „armen Theaters“ (Grotowski), sowie der historischen Avantgarden und neuer Theater- und Performace Bewegungen der späten 60er, 70er und 80er Jahre (Concept Art, Environmental Theatre, Theatre of Images, postmodern Dance, The Living Theatre).

Auf Grund von gravierenden Subventionskürzungen im Zuge der Wiener Theaterreform sah sich das Kollektiv jedoch 2004 gezwungen, das Studio aufzugeben und in ein leeres Ladenlokal aus dem 19. Jahrhundert, eine ehemalige Fleischerei, umzuziehen. Bedingt durch den Ortswechsel und geprägt durch die eigenen Erfahrungen mit Kulturhegemonialität und Sozialabbau begann die Gruppen nun konsequent neue sozio-theatrale Formen zu entwickeln und neue Publikums- und Kooperationsbereiche zu erschließen. Über die Arbeit mit Migranten, Flüchtlingen und unabhängigen Geschäftstreibenden entwickelte das Ensemble der FLEISCHEREI_mobil ein neues Performance Genre, das unter der Bezeichnung „Transformance“ verschiedene interdisziplinäre Ansätze zu einem Theater der sozialen Aktion und Veränderung zusammenführt. In diesem Sinne bezeichnet „Transformance“ ein Performance-Format, das eine Schnittstelle zwischen radikaler Avantgarde-Ästhetik mit Community-Kunst schafft, um auf diese Weise Politik und Gesellschaft auf lokaler Ebene zu verändern und mitzugestalten. Dieses Format ist das Ergebnis von über 20 Jahren engagierter und reflektierter Arbeit im Spannungsfeld von Kunst und Leben, Theater und Gesellschaft und sieht sich als Möglichkeit der aktiven Partizipation und Mitgestaltung in einer Zeit der Krisen und politisch-sozialen Umbrüche.

Nach einer weiteren Subventionskürzung im Jahr 2011 musste die Gruppe nun auch das umgebaute Ladenlokal, die FLEISCHEREI, verlassen und ist seitdem als FLEISCHEREI_mobil auf Straßen und Plätzen, sowie in verschiedenen Cafés und Bezirksämtern in Wien unterwegs und gastiert zusätzlich im Ausland.

2013 erschien Eva Brenners kulturkritische Studie zur Neoliberalisierung der (österreichischen) Kulturpolitik mit Schwerpunkt Wiener Theaterreform (2003), ANPASSUNG oder WIDERSTAND. Freies Theater heute. Vom Verlust der Vielfalt (Promedia).