„Wir sind alle MARIENTHAL!“

Eine multimediale Performance über Arbeit und Arbeitslosigkeit

im Rahmen des Jahresprojekts > TRANSFORMANCE continued <

Premiere: Samstag, 3. Oktober 2015, Gemeindezentrum Marienthal (Gramatneusiedl)

Weitere Vorstellungen: Mittwoch 7. Oktober, VHS Hietzing

Donnerstag, 15. Oktober, Amtshaus Wieden

Freitag, 23. Oktober, Bezirksamt Alsergrund

Donnerstag, 19. November, Bezirksamt Mariahilf

Freitag, 27. November, Bezirksmuseum Josefstadt

Uhrzeit: jeweils 19.30 Uhr

 

Phase 2: Oktober/November 2015

Premiere: Samstag, 3. Oktober 2015, 19.30 Uhr
Gemeindezentrum Marienthal, Lindenallee1, 2440 Gramatneusiedl

Weitere Vorstellungen: Mittwoch 7. Oktober, VHS Hietzing, Hofwiesengasse 48, 1130 Wien
Donnerstag, 15. Oktober, Festsaal Amtshaus Wieden,
Favoritenstraße 18, 1040 Wien
Freitag, 23. Oktober, Festsaal Bezirksamt Alsergrund,
Währingerstraße 43, 1090 Wien
Donnerstag, 19. November, Festsaal Bezirksamt Mariahilf,
Amerlingstraße 11, 1060 Wien
Freitag, 27. November, Festsaal Bezirksmuseum Josefstadt,
Schmidgasse 18, 1080 Wien
Uhrzeit: jeweils 19.30 Uhr

Eintritt/freie Spende: € 15,–/erm. € 11,-

Künstlerische Leitung/Regie/Raum: Eva Brenner (A/USA), Projektleitung/Pressearbeit: Andrea Munninger(A), Regieassistenz: Johannes Starmühler(A), Dramaturgie/Textrecherche: Michaela Adelberger(D), Assistenz: Felix Kristan (A), Janea Hansen (D), Katja Schatilowa (D), Technik/Licht: Richard Bruzek (A), Objekte/Kostüme: Markus Kuscher (A), Fotografie: Roman Picha (A), Musik: Walter Nikowitz (A/AR), Maren Rahmann (D), Performance: Rremi Brandner (A), Tristan Jorde (A), Luise Ogrisek(A), Maren Rahmann (D), Live-Video/Dokumentation: Bernhard Riener (A), Grafik/Homepage: Alexander Schlögl (A), EDV-Beratung: Oliver Sowa (A), Beratung: Walter Baier (A), Andrea Komlosy (A), Gerhard Lukawetz (A).

 

„Wir sind alle MARIENTHAL!“

Eine Performance nach Texten aus der Marienthalstudie und Margit Hahns neuem Stück „Fair und nachhaltig kündigen“

"Mit einem Schlag ändert sich das Leben in Marienthal. Die Hausfrauen werden zuerst kopflos. Wie soll man das Wirtschaftsgeld einteilen? Wer ist imstande, mit einem plötzlich auf ein Viertel verringertem Einkommen zu wirtschaften? … Aber wenn die Marienthaler mit ihrem geänderten Zeiterlebnis es auch kaum mehr bemerken, die Zeit schreite doch vorwärts, und allmählich und unaufhaltsam bröckelt die Grundlage ab, auf der das Leben in Marienthal bis jetzt noch zu führen war. Es erhebt sich die Frage: Wie lange noch kann es so weitergehen? ... In der Fabrik ist es still geworden. Irgendwo hört man über die leeren Höfe hin einen klingenden Hammer alte Ziegeln aus der Mauer schlagen. Das ist die letzte Arbeit, die die Fabrik zu vergeben hat."
aus: Paul F. Lazarsfeld, Hans Zeisel, Marie Jahoda, Die Arbeitslosen von Marienthal

Die Basis der Performance bilden Textauszüge aus der berühmten soziografischen Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ der SoziologInnen Paul F. Lazarsfeld, Marie Jahoda und Hans Zeisel aus dem Jahr 1933, die dem Uraufführungstext „Fair und nachhaltig kündigen“ (2015) der österreichischen Autorin Margit Hahn gegenübergesetzt werden. Damit soll gewährleistet werden, dass ein aktueller Text aus der Feder einer Schriftstellerin, die sich seit Jahren mit dem Thema Arbeit / Arbeitsplatzverlust und den dahinter liegenden Machtstrukturen auseinandersetzt – recherchierend und literarisch verfremdend –, neue Einsichten auf heutige Dimensionen einer exponentiell ansteigenden Arbeitslosigkeit ermöglicht.

Die Konfrontation der Epochen – hier frühe Dreißigerjahre, da die letzten 6 Jahre seit der „Großen Krise“ zu Beginn eines neuen Jahrtausends – evoziert neue, oft erschreckende Parallelen und Aussichten. Allen voran steht die gefährliche „Politikverdrossenheit“, die einhergeht mit dem Verlust von Vertrauen in die Veränderbarkeit der Welt, einer allgemeinen Erosion politischer Teilhabe und ein resultierender Demokratieabbau, der einer der Folgen von Ausbildungs‐ und Arbeitsverlust ist, begleitet vom Schwund gesellschaftlicher Partizipation, besonders unter bildungsfernen Schichten.

In der Textmontage „Fair und nachhaltig kündigen“ versammelt und kontrastiert Margit Hahn Case-Studies, Geschichten von gekündigten oder von Arbeitslosigkeit bedrohten Männern und Frauen, die Existenzängsten und gesellschaftlicher Entwertung ausgesetzt sind, und Aussagen, Kalauer, Zitate und Gesprächsfragmente von Chefs, Abteilungsleitern, Konzernmanagern. Letztere dokumentieren die äußerste Kälte und Grausamkeit gegenüber Einzelschicksalen, mit der die von Kapitalinteressen geleitete Logik der Konzerne betriebliche Restrukturierungsmaßnahmen zur „Notwendigkeit“ erklärt und daraus angeblich nötig gewordene Entlassungen von zu viel, zu alt, zu teuer gewordenem Personal ableitet. Margit Hahn untersucht mit der ihr eigenen spitzen Feder, mit Humor und erfrischender Schonungslosigkeit nicht bloß, was in den Chefetagen der Großbetriebe gesagt, geschrieben und argumentiert wird, sondern vor allem auch die Sprache, das Managerkauderwelsch, mit der das tagtäglich vor sich gehende, zur „Normalität“ verkommene Ausrangieren von tausenden Menschen kommentiert und legitimiert wird. Hier verrät sich die Sprache selbst, ist zum Testament einer Verrohung sozialer Beziehungen geworden.

Mit: Rremi Brandner (A), Tristan Jorde (A), Luise Ogrisek (A), Maren Rahmann (D), Walter Nikowitz (A/AR, Musik). Konzept/Regie/Raum: Eva Brenner (A/USA)

Dank an: Kulturabteilung der Stadt Wien (Theater, Stadtteilkultur & Interkulturalität), BKA-Kunst, Bezirk Neubau, FSG der MitarbeiterInnen der AK Wien, Akzent Theater, OKTO.tv, Radio ORANGE 94.0, Institut Dr. Schmida, Gemeinde Gramatneusiedl, MuseumWalzengravieranstalt Guntramsdorf, Bezirke9.,6.,8.,4.,7.,VHSHietzing, Bezirksmusem Josefstadt, Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich.

Impressum: FLEISCHEREI_mobil, Verein Projekt Theater, Neustiftgasse 133/13, 1070 Wien, office(at)experimentaltheater(dot)com, www.experimentaltheater.com. Pressekontakt: Andrea Munninger, 0699 1 99 00 952, office(at)experimentaltheater(dot)com

Wir sind alle Marienthal! - Premiere in Gramatneusiedl

 
 

Wir sind alle Marienthal! - Kammgarnfabrik in Bad Vöslau

Wir sind alle Marienthal!

© Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich
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Ausflug nach Marienthal März 2015
Arbeiterwohnhäuser in Marienthal
Ausflug nach Marienthal März 2015
Marienthal. Fotos (4) J. Starmühler