WIEDERAUFNAHME HERBST 2017: „DAS FEST“

Angesichts unerwartet aufgetretener terminlicher und probetechnischer Probleme – konkret wegen des Ausfalls eines wichtigen Schauspielers zu einem extrem späten Zeitpunkt (eine Woche vor Wiederaufnahme!) – sehe ich mich gezwungen, unser Erfolgsprojekt „DAS FEST“ nach Texten von Elfriede Gerstl (UA Frühjahr 2017), geplant für den 6. und 7. 10. im Kulturcafé Siebenstern, kurzfristig abzusagen! In der derzeitigen Situation wäre die gewünschte künstlerische Qualität nicht zu gewährleisten.

NACH TEXTEN VON ELFRIEDE GERSTL AUS DEM ZYKLUS „NEBENEINANDER ABSEITS.“
Fr. 6. + Sa. 7. 10. 2017, 19:00, ORT: KULTURCAFE 7*STERN, Siebensterngasse 31, 1070 Wien.

Eintritt freie Spende (Richtwert € 18.-/ermäßigt € 12)

Nebeneinander abseits. stützt sich auf mehrere Textquellen aus drei unterschiedlichen Lebensphasen der Dichterin: den poetische Kurzroman Spielräume (erschienen 1977), die Postkartensammlung LOGO(S) (2004), das Langgedicht KLEIDERFLUG oder lost clothes (1995) sowie ausgewählte Gedichte. Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Café KORB, das Elfriede Gerstl – gleich nebenan wohnend und hier fast täglich viel Zeit verbringend – als ihr zweites Wohnzimmer empfand, wo sie Freunde traf, diskutierte, Zeitung las, frühstückte und schrieb.  Die ausgewählten Texte stellen das Verhältnis von Schreiben, Sammeln, Körper, Haut, Haus und Flucht in den Mittelpunkt und eröffnen die Debatte über Möglichkeiten und Grenzen demokratischer Freiheiten, Fluchterfahrungen und  künstlerischer Diskurse vor dem Hintergrund patriarchal-ideologischer Postulate.  Die Zitate von ELFRIEDE JELINEK, Gerstls bester Freundin, stammen aus dem ästhetisch-programmatischen Text „Ich möchte seicht sein“ (1983), einer radikalen Abrechnung mit dem traditionellen Theaterbegriff, ergänzt von Ausschnitten aus dem Film „Elfriede und Elfriede“ (2003).

„Das Fest“ basiert auf dem poetisch-experimentellen Kurzroman Spielräume, in dem Gerstl satirisch-kritisch ihre Exilzeit der 60er Jahre in West-Berlin unter die Lupe nimmt. Weit davon entfernt, sich von den emanzipatorischen Errungenschaften der 68er Bewegung zu distanzieren, ohne die unsere Welt um einiges ärmer wäre, gilt ihre feministische Kritik der linken Orthodoxie, die ob ihres Patriarchalismus, Intellektualismus und ihrer Praxisferne in den Ver/Ruf des Scheiterns gekommen ist. Das „Fest“ kommt als exzentrische Cocktailparty daher – ein Sinnbild sinnentleerter Gesellschaftsrituale –, die zur philosophisch-choreographischen Reflexion über „Fremd-Sein“ und Ausgrenzung mutiert. Erkennbar wird der (klein)bürgerliche Charakter sich radikal gebärdender AvantgardistInnen, die sich am Ende im Großstadtdschungel und einer wachsenden Einsamkeit verlieren. Gerstls Montage aus Lyrik, Essay, Erinnerungsbildern und Aphorismen umkreist dieses rastlose Milieu selbsternannter Weltenbummler und Verbesserer, das selbst weite Teile zeitgenössischer Basisbewegungen kennzeichnen, sofern sie ihre Ghettos nicht verlassen.

Kritik zur Performance „Das Fest” im Falter 17/17:
https://www.falter.at/archiv/FALTER_201704263176E0CE55/gesellschaftstanz-mit-elfriede-gerstl

Kritik zur Performance in„ Illustrierte Neue Welt“ 2/17

Konzept/Regie/Raum: Eva Brenner (A/USA)
Assistenz: Daphne Schöning (D/GR), Safet Murati, Stefanie A. Stimniker
Dramaturgie: Matthias Fallenstein (D)
Dramaturgische Mitarbeit: Joschka Köck (D)
Ausstattung: Markus Kuscher (A)
Performance: Michaela Adelberger (D), Constance Hyrohs (A),
Kari Rakkola (FIN), Sibylle Starkbaum (A), Karim Thiam (SN)
Choreographie: Sibylle Starkbaum (A)
Musik: Walter Nikowitz (A/ARG)
Produktionsleitung: Andrea Munninger (A)
Kostüme/Modeschau: Raja Schwahn-Reichmann (A)
Benefiz-Aktion: Franz Schubert (A)
Ehrenkomitee Benefiz-Aktion: Susanne Widl (A)
Models: special guests
Jazz Duo: Amon Maly (A/Gitarre), Kathi Hisberger (A/Saxophon)

Dank an: BKA- Kunst, Kulturamt der Stadt Wien, Bezirksförderung Innere Stadt, Cafe Korb, Cafe Siebenstern, Brick- 5,Direct Marketing, Institut Dr. Schmida, Hrn. Herbert J. Wimmer, Susanne Widl, Michael Genner von Asyl in Not

Pressekontakt: Andrea Munninger, 0699/19900952, office(at)experimentaltheater(dot)com

Hör mal, sagte Grit, ich hab wohl eine Art Geisteskrankheit, daß ich mir nicht in einer der konfektionierten wohlfeilen Ideologien warm und gemütlich machen kann; mit einer (nicht schädlichen) Portion Konsequenz (diesem moralphilosophischen Ladenhüter) ausgestattet, könnte ich weich und geschätzt in der Gesellschaft sitzen und mir elitär oder revolutionär vorkommen.
- Elfriede Gerstl, Spielräume, edition neue texte, Linz: Literaturverlag Droschl (Neuaufl. 1993), S. 31.

wär ja schön, eine veränderte welt, sagte (oder dachte?) Grit
- Elfriede Gerstl, Spielräume, S. 36

Pressetext

Konzept

Abendblatt

Urauffführung „Das Fest”, 1.4.2017