Lesekreis „Die Pädagogik der Unterdrückten“

Im Rahmen des Utopie-Projekts 2019 findet der Lesekreis zu Paulo Freires „Pädagogik der Unterdrückten“ statt. Unter der Leitung von Eva Brenner und Hilde Grammel und mit Special Guests werden Freires Strategien und mögliche heutige Anwendungen diskutiert.

 

Wir wollen uns unter der Leitung von Eva Brenner und Hilde Grammel an sieben Terminen den Grundzügen der Strategien aus Paulo Freires „Pädagogik der Unterdrückten“ annähern und ausgewählte Zitate diskutieren. Dabei werden wir auch Kontrapunkte setzen: Augusto Boals „Theater der Unterdrückten“ wird an einem Termin Thema sein.

Special Guests: Lotte Kreissler; Theater der Unterdrückten (tbc)
Paulo Freire (1921, Recife - 1997, São Paulo) war ein revolutionärer politischer Pädagoge und radikaler Kritiker herrschaftlicher Bildungskonzepte. Nicht nur entfremdet das Bildungssystem systematisch die Unterschichten, sondern auch „[d]ie Intellektuellengruppen, die den Aufstand proben, bleiben ohne Kontakt zu den Massen“ (Ernst Lange). Deutlich identifiziert Freire die Kultur des Schweigens der Bevölkerungen als Folge ihrer Unterdrückung und ihres Apathisch-gemacht-Werdens. Ziel der Pädagogik ist es, eine Ausweisung „der Herren aus dem Bewusstsein der Unterdrückten“, aus dem inneren Menschen, vorzunehmen und die Kultur des Schweigens der Massen zu brechen, indem sie in einen Dialog verwickelt werden, der ihre Lebensumstände umfasst und problematisiert.
Im Lesekreis werden wir u.a. der Frage nachgehen, wie weit sich die Ideen Paolo Freires für eine Aufhebung der Entfremdung zwischen Kulturarbeiter*innen, Lehrenden, politischen Protagonist*innen und der zunehmend den Versprechungen rechter Demagogie verfallenden Bevölkerung in Österreich heute eignet. Welche Kultur-, welche Bildungsarbeit, welche Art von politischer Arbeit ist nötig, um die Menschen gegen fremdenfeindliche Hetze widerstandsfähig zu machen? Einen zentralen Platz wird die Frage einnehmen, wie Theaterarbeit beschaffen sein muss, um Brücken zu schlagen zwischen den „bildungsfernen“ Menschen und der Politik und wie sie der Neuformierung des inneren Menschen im Sinne Freires beitragen kann.

„Jede Bewegung der Unterdrückten in Richtung Einheit bedeutet einen Hinweis auf andere Aktionen. Sie bedeutet, daß die Unterdrückten ihren Zustand der Entpersönlichung früher oder später begreifen und entdecken werden, daß sie, solange sie gespalten sind, immer eine leichte Beute der Manipulation und der Beherrschung sein werden. Einheit und Organisatin können dazu beitragen, ihre Schwäche in eine Macht der Veränderung zu verwandeln, mit der sie die Welt neu schaffen und menschlicher machen.“

Paulo Freire, Pädagogik der Unterdrückten
 
Zum Ablauf
Paulo Freires „Pädagogik der Unterdrückten“ wird kapitelweise bearbeitet, wobei von allen Teilnehmenden gesuchte Textzitate die Grundlage der Diskussion bilden. Diese wird dialogisch im Sinne Freires gestaltet. Nicht Wissensvermittlung, sondern gemeinsames Gewinnen von Erkenntnissen, v.a. über die Gesellschaft, in der wir leben und vielleicht auch über uns selbst, ist das Ziel.
 
Termine:
 jeweils 17:00-21:00*
Mi 20.3.    
Mi 27.3.      
Mi 3.4.                   
Mi 8.5.
Fr 10.5. Doppeltermin im Yella Yella! (Maria-Tusch-Straße 2/1, 1220 Wien) 14:30-22:00
Mi 15.5.

Ort: Veranstaltungsraum der KPÖ, Drechslergasse 42/1.Stock, 1140 Wien


Anmeldung erbeten unter office(at)experimentaltheater(dot)com wird erbeten.
Achtung: Die Teilnehmer*innenzahl ist mit 16 begrenzt. Durchgängige Anwesenheit ist wünschenswert und sinnvoll!